Samstag, 21. Februar 2015

Be all in





"Alles geben", "mich ganz hineingeben": das heißt für mich nicht, dass ich das Äußerste leiste. 
Es heißt vielmehr, dass ich nicht halbherzig tue, sage und bin. 
Wohlgemerkt, das ist ein Ideal ;-) Ein Stern, der oft genug verdammt weit weg ist, aber mich dennoch leitet.

Je älter ich werde, desto mehr genieße ich es und erkenne es, wenn mein Leben so ist, dass ich "ganz drin" sein kann.  Dann entspricht das, was ich tue meinen Werten und meinen Zielen. 

Wie kann ich möglichst viele "all in" Momente leben?





Der erste Schritt könnte sein, folgende Fragen zu stellen und ehrlich zu beantworten: 

  • Was will ich eigentlich in meinem sehr kurzen Leben hier? Und wovon denke ich nur, dass es mein Ziel sei, weil es die anderen alle wollen? Was will ich nur, weil meine Eltern, Nachbarn oder mein Partner es wollen oder von mir erwarten? Was sind wirklich meine eigenen Überzeugungen?
  • Was macht mir Spaß? In welchen Situationen fühle ich mich lebendig? Wann fühle ich, dass das, was ich sage und tue stimmig ist? Wie fühlen sich solche Situationen an? Welche Körpergefühle verbinde ich damit?
  • Wovor habe ich Angst? Was hält mich davor zurück "all in" zu sein? In welchen Fällen ist diese Vorsicht begründet und wann könnte ich mutiger sein?

Jemand, der diesen Mut beispielhaft vorgelebt hat, ist Albert Schweitzer. Ich muss zugeben, dass ich skeptisch bin, was diesen Menschen anbelangt. Er scheint zu sehr "Gutmensch", um wahr zu sein. Und tatsächlich gibt es auch in seinem Leben Aspekte, die kritisch zu betrachten sind. Allerdings hat mir an dieser Stelle meiner Überlegungen ein Zitat weitergeholfen und zwar aus dem Buch "Albert Schweitzer. Facetten einer Jahrhundertgestalt". Es ist in der Reihe Berner Universitätsschriften erschienen und enthält wissenschaftlich Abhandlungen zur Person und zum Werk Albert Schweitzers. Der betreffende Autor -  Jochen Hörisch - untersucht in seinem Artikel Albert Schweitzers Rolle als Megaprominenter im 20. Jahrhundert und schreibt schließlich:

Der funktionale Sinn von Megaprominenz liegt eben nicht in ihrer Konsenszumutung an alle, sondern in ihrer Irritationskraft. (S. 36)

Das trifft für mich genau den Kern des "Be all in". Jemand, der versucht, sein eigenes Menschsein in der Welt zu verwirklichen, d.h. wirklich zu verkörpern, wird nicht perfekt sein oder über jeden Zweifel erhaben. So ein Mensch wird auch vermutlich selten ein bequemes, konfliktfreies Leben führen. So ein Mensch wird jedoch mit ziemlicher Sicherheit inspirierend, ermutigend, irritierend und lebendig wirken (nicht im Sinne von "scheinen", sondern im Sinne von "etwas bewirken"!). Und ich vermute, dass dies die große Anziehungskraft solcher Menschen begründet. Das ist es, was überzeugt, und nicht unbedingt hauptsächlich der wörtliche Inhalt dessen, was sie lehren.


Dies ist eine Leinwand, die ich mit verschiedenen Papieren beklebt, mit Tusche beschrieben und mit Aquarellfarben, Tusche, Acrylfarbe und Buntstiften bemalt habe. Sie hängt vermutlich bald in einer Geschäftsstelle des Albert-Schweitzer-Familienwerks Bayern e.V. aus. Eine Kollegin hatte die sehr inspirierende Idee, dass die Mitarbeiter des ASFW diese Geschäftsstelle mit selbst bemalten Leinwänden gestalten könnten. Bedingung war, dass jedes Exponat den Kopf von Albert Schweitzer in irgendeiner Form integrieren sollte. Danke für diese Anregung zum Kreativwerden!




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