Samstag, 8. März 2014

Irland und das Stille

Durch die Landschaften Irlands zu wandern ist vor allem eine Erfahrung der Stille. Die Wege sind menschenleer. Die Natur karg, fast abweisend.


Das Buch "Still" von Susan Cain handelt von den stillen Menschen, die es schwer haben in einer lauten Welt.


Warum ist die Welt laut?

Die Antwort des Buches: weil die Extraversion als Erfolgsrezept gilt.

Es herrscht die Überzeugung, dass Glück hat, wer kontaktfreudig ist.
Menschen, die Eindruck machen und bedeutend sind, 
sind nicht die zurückhaltenden, sondern die forschen Menschen, glauben die meisten.


Obwohl zwischen Redegewandtheit und guten Ideen nachweislich kein Zusammenhang besteht, werden redegewandte Menschen als klüger wahrgenommen.

(vgl. Susan Cain, S.16)

Introversion mit Eigenschaften wie Empfindsamkeit, Schüchternheit, Besonnenheit und Ernsthaftigkeit ist von Nachteil in einer Welt, in der die Extraversion als Ideal gilt und in Führung geht. 


                                                       Um so erstaunlicher: Einige unsere größten Ideen, Kunstwerke und Er-findungen [...] stammen von stillen und feinsinnigen Menschen, die es verstanden, in sich hineinzuhören und die Schätze, die in ihrem Inneren lagen zu heben: 

Sir Isaac Newton, Albert Einstein, Yeats, Chopin, Proust, Steven Spielberg, J.K.Rowling ... 
( vgl. Susan Cain, S. 17)


Wie Susan Cain ausführt, kann die Überzeugungskraft der Extravertierten fatale Folgen haben. Was passiert, wenn sich regelmäßig derjenige im Gespräch durchsetzt, der am schnellsten, am lautesten und am flüssigsten redet? 
Was passiert, wenn berechtigte und durchdachte, aber leise vorgebrachte, 
Einwände übergangen werden?



Meine Gedanken zum Buch:


Das Plädoyer für Introversion möchte die stillen Menschen unterstützen, ihre Stärken und ihre wichtigen Beiträge zu einem vernünftigen Leben zeigen.








Wie bei allen anderen Schubladen - hier "Extraversion" und "Introversion" gilt, dass sie für unseren menschlichen Geist wichtig sind, um Dinge auf ihre Unter-scheidungen hin untersuchen zu können. Allerdings neigen wir Menschen - zumindest in der Konkurrenzkultur  - dazu, Unterschiede zu hierarchisieren.
Dann entsteht eine obere Schublade der Extraversion und eine untere Schublade der Introversion.

Ich gelange in meinen Überlegungen - ob es nun um medizinische und psychologische Diagnosen geht oder um bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensweisen - immer an den Punkt, an dem es weniger wichtig wird, zu klassifizieren. Vielmehr führt es weiter einzuladen, anzuschauen, hinzuhören und anzunehmen.




Jeder einzelne Mensch - wenn er in seiner unvergleichlichen Art wahrgenommen und wertgeschätzt wird - leistet einen wertvollen, unvergleichlichen Beitrag zur Welt.




Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass die Umsetzung dieser Erkenntnis in philosophierenden Gruppen durchaus eine Herausforderung ist ;-)



Wie begegne ich den Langrednern und den Oftrednern und den LangOftrednern?

Wie aufmerksam bin ich gegenüber
den Stillen, den Leiserednern und den Langsamrednern?







Wessen Argumente werden aufgegriffen und wessen ignoriert?

Welche Erkenntnis gilt als weiterführend und welche wird verworfen?

Welche Einwände widerlegen welche Argumente?





Ist die Redebeteiligung eines Gesprächsteilnehmers mit dessen Interesse und Aufmerksamkeit gleichzusetzen?


Wer diesen Fragen auf der Spur bleiben und praktische Erfahrungen sammeln möchte, kann sich hier über Fortbildungen informieren oder passende Ansprechpartner finden:

www.paidosophos.de
www.kinder-philosophieren.de



Ich beziehe mich in diesem Post auf folgendes Buch:
Cain, Susan: Still. Die Bedeutung von Introversion in einer lauten Welt. München: Riemann Verlag, 2011.


Kommentare:

  1. so gute gedanken, so gute fragen. so praktisch ist es, das klassifizieren – und wenn man schon dabei ist, kann man der schublade ja auch gleich noch ein wertsiegel aufdrücken; und schon sind sie beiseite gefegt, die fragen. dieser andere blick, aus dem respekt spricht, aufmerksamkeit und achtsamkeit, der bereit ist, weiterzugraben, zu hinterfragen, nachzujustieren – es lohnt so, sich zu ihm aufzuraffen.
    danke für diesen klugen beitrag.

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  2. Hallo,
    ich finde Deinen Post ganz interessant, bin aber etwas irritiert, da Deine Angabe der Autorin 3 verschiedene Versionen hat: Susan Craig, Susan Cain - wie denn nun ?
    Viele Grüße S.

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    1. Vielen Dank für den Hinweis. Wenn schon zitieren, dann auch richtig ;-)) Habe mich in der Literaturangabe verschrieben. Es muss heißen: Cain, Susan! Ich habe nur diese zwei Versionen gefunden. Wenn Du mir die dritte noch nennst, kann ich sie auch berichtigen!. Danke und viele Grüße. Silvia

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