Montag, 20. Mai 2013

Philosophieren über "Mensch und Natur"

    Einmal in der Woche philosophiere ich mit einer kleinen Gruppe von Schülern und Schülerinnen in der 5. Klasse zu den Themen "Mensch und Natur" und "Natur und Technik"
    Um den unschätzbaren Schatz der Phantasie zu heben und auch mal den ganzen Körper zum Einsatz kommen zu lassen, versuchen wir zwischendurch, unsere Gedanken und Gefühle in Fotos umzusetzen oder Geschichten dazu zu verfassen.
    In Kürze gibt es hier LandArt Fotos, Kurzgeschichten und Schülerzitate zu sehen ...
     
    Hier erstmal ein Buchtipp zum Thema Kreatives Schreiben:
    "Grammatik der Phantasie: Die Kunst, Geschichten zu erfinden" von Gianni Rodari

    Dieses Buch ist schon durch den poetischen und vom Phantasiereichtum des Menschen begeisterten Schreibstil eine Anleitung zum kreativen Verfassen und Erzählen von Geschichten. Es bietet zahlreiche, leicht durchzuführende Anleitungen und ist nebenbei auch noch sehr wertvoll in bezug auf die pädagogische "message". 
    Das Buch beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem Geschichtenerfinden und dem Philosophieren. 
    "In den phantastischen Binomen werden die Wörter nicht in ihrer alltäglichen Bedeutung wahrgenommen, sondern von den verbalen Ketten befreit, denen sie täglich unterworfen sind." (Seite 22)   
    Auch beim Philosophieren geht es darum, das Alltägliche zu bezweifeln, die gewohnten, eingefahrenen Wege zu verlassen, um neue Perspektiven zu gewinnen, Möglichkeiten des Andersdenkens und Andershandelns zu eröffnen. 
    Dazu ein Zitat von Bertrand Russel:  
    "... welchen Wert Philosophie hat. Diese Frage stellt sich [auch] deshalb, weil viele Menschen ... dazu neigen, in der Philosphie ein harmloses, aber auch nutzlosese Spiel zu sehen, das aus Haarspaltereien und Streitigkeiten über Dinge besteht, über die wir ohnehin nichts wissen können ... Man soll sich sich um der Fragen selber willen mit ihr [der Philosophie, Anm. Silvia] beschäftigen, weil die Fragen unsere Vorstellung von dem, was möglich ist, verbessern, unsere intellektuelle Phantasie bereichern und die dogmatische Sicherheit vermindern, die den Geist gegen alle Spekulation verschließt. 
    Zur Methode des Gedankenexperimentes, die sowohl beim Philosophieren als auch beim kreativen Schreiben/Erzählen eingesetzt werden kann (da in diesem Fall beides identisch ist),  schreibt Bodari in bezug auf ein von ihm genanntes Beispiel:
    {…} Was wäre, wenn in der ganzen Welt, von Pol zu Pol, von einem Augenblick zum anderen das Geld verschwinden würde?
    Das ist nicht nur ein Thema für die Phantasie von Kindern: gerade deshalb glaube ich, dass es ein besonders geeignetes Thema für Kinder ist, die Gefallen daran finden, sich mit Problemen zu messen, die größer sind als sie. Es ist ihre einzige Möglichkeit, größer zu werden. Und es besteht kein Zweifel, dass sie vor allem und mehr als alles andere größer werden wollen.
    Das Recht, größer zu werden, gestehen wir ihnen in Wirklichkeit nur mit Worten zu. Jedes Mal, wenn sie es wörtlich nehmen, spielen wir unsere ganze Autorität aus, um sie daran zu hindern.
    (Seite 34)
    Dieses Zitat antwortet in einer treffenden Weise auf Bedenken in bezug auf das Philosophieren mit Kindern, die in die Richtung gehen, dass das Philosophieren die Kinder kognitiv und auch emotional überfordern könnte (ohne in Abrede zu stellen, dass Fingerspitzengefühl in der Begleitung des Gesprächs notwendig ist und dass darauf zu achten ist, ob die Fragen und Ideen von den Kindern kommen, oder nicht doch vom Erwachsenen!).

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